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Ziel einer Chemotherapie ist es, alle im Körper vorhandenen oder nach der Operation noch verbliebenen Krebszellen zu zerstören. Dabei werden Wirkstoffe verabreicht, die die Vermehrung der Tumorzellen hemmen und deshalb als Zytostatika (Zellstopper") bezeichnet werden. In erster Linie handelt es sich um Substanzen, die eine normale Zellteilung verhindern. Ihre Wirksamkeit an den Zellen ist umso höher, je schneller sich diese vermehren. Da Brustkrebszellen in der Regel eine hohe Vermehrungsrate haben, sich also schnell teilen, sind sie gegenüber der Chemotherapie empfindlich. Allerdings werden auch gesunde Zellen durch die Zytostatika an der Zellteilung gehindert. Körpergewebe mit hoher Teilungsrate wie die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes oder die Haarwurzelzellen werden daher oft in Mitleidenschaft gezogen. Welche Medikamente werden eingesetzt? Es gibt verschiedene Gruppen von Zytostatika, die in unterschiedliche Phasen des Zellzyklus eingreifen. Bewährt hat sich eine Kombination der verschiedener Wirkstoffe und Wirkmechanismen. Dadurch erhöht sich die Chance, dass viele Tumorzellen zerstört werden. Bei Brustkrebs kommen folgende Wirkstoffklassen zum Einsatz:
Zu den bei Brustkrebs eingesetzten Vertretern der Alkylanzien gehört Cyclophosphamid. Es verbindet sich im Zellkern mit der DNA und bewirkt entweder ein Auseinanderbrechen der DNA-Stränge oder deren enge Vernetzung. Hierdurch wird die Weitergabe des Erbguts bei der Zellteilung verhindert. Cyclophosphamid wird bei Brustkrebs ausschließlich in Kombination mit anderen Wirkstoffen angewendet.
Anthrazykline schädigen das Erbgut von Krebszellen, indem sie den Aufbau von DNA und RNA stören. Gegen Brustkrebs kommen vor allem die Anthrazykline Doxorubicin und Epirubicin zur Anwendung, in Kombination mit Taxanen, Fluorouracil (5-FU), Methotrexat (MTX) und/oder Cyclophosphamid.
Zur Wirkstoffklasse der Antimetabolite gehören Fluorouracil (5-FU), Capecitabin, Methotrexat (MTX) und Gemcitabin. Sie ähneln in ihrer Struktur körpereigenen Stoffen und schleusen sich deshalb in den Stoffwechsel der Krebszellen ein. So werden sie fälschlicherweise beim Aufbau des Erbguts verwendet und stören die Zellvermehrung. Antimetabolite werden häufig mit anderen Zytostatika (insbesondere Anthrazyklinen und Cyclophosphamid) kombiniert.
Die Taxane Paclitaxel und Docetaxel zählen zu den wirksamsten Chemotherapeutika gegen Brustkrebs. Vor allem Patientinnen mit einem Befall der Achsellymphknoten profitierten in Untersuchungen. Taxane werden in der Regel in Kombination mit Anthrazyklinen verabreicht. Sie beeinflussen die sogenannten Zellspindeln, die dafür sorgen, dass sich die Erbinformation bei der Zellteilung gleichmäßig auf die Tochterzellen verteilt. Außerdem schädigen sie das Erbgut und die Zellwand.
Vinca-Alkoloide wie Vinorelbin stammen aus der Pflanzenart Rosafarbene Catharanthe. Sie verhindern die Zellteilung und beeinflussen insbesondere sich schnell teilende Krebszellen.
Bei wem wird die Chemotherapie eingesetzt?
Untersuchungen haben gezeigt, dass Tumoren selbst in frühen Stadien bereits streuen und winzigste Tochtergeschwulste, sogenannte Mikrometastasen, in Lymphknoten oder anderen Organen bilden können. Mit den heute zur Verfügung stehenden bildgebenden Untersuchungsverfahren sind solche kleinen Tumorherde nicht zu entdecken. Die Chemotherapie wird deshalb nicht nur gegen fortgeschrittenen Brustkrebs eingesetzt, sondern zunehmend auch bei Tumoren im Frühstadium, bei denen keine Metastasen in Lymphknoten oder in anderen Organen feststellbar sind. Studien ergaben, dass sich diese zusätzliche Behandlung lohnt: Rückfall- und Sterberisiko sinken bei unterstützender Chemotherapie gegenüber der alleinigen Operation sowohl kurz- als auch langfristig.
Junge Patientinnen mit Brustkrebs erhalten in der Regel grundsätzlich eine die Operation unterstützende Chemotherapie. Doch auch ältere Patientinnen können von der Zusatzbehandlung profitieren, wenn ihr Allgemeinbefinden die Durchführung zulässt. Das Lebensalter stellt daher prinzipiell kein Ausschlusskriterium für eine unterstützende Chemotherapie dar.
Der Einsatz von Chemotherapie erfolgt:
- bei Hormonrezeptor-negativen, also gegenüber weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogene, Progesteron) unempfindlichen Tumoren.
- bei Hormonrezeptor-positiven, also gegenüber weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogene, Progesteron) empfindlichen Tumoren, die bei zusätzlichen anderen Eigenschaften ein hohes Rückfallrisiko haben gefolgt von Antihormontherapie.
- bei Hormonrezeptor-positiven, also gegenüber weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogene, Progesteron) empfindlichen Tumoren, die ein mittleres Rückfallrisiko haben hier gewinnt die Chemotherapie, gefolgt von Antihormontherapie zunehmend an Bedeutung.
Vor oder nach der Operation?
Eine Chemotherapie kann vor und nach der Operation erfolgen. Nach der Operation spricht man von einer adjuvanten, also unterstützenden Therapie. Bei besonders großen bzw. schnell wachsenden Tumoren, die primär nicht operabel sind, oder bei inflammatorischen Karzinomen (entzündliche Tumoren") wird bereits im Vorfeld der Operation eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie durchgeführt, da in diesem Fall der Tumor im Brustgewebe durch eine alleinige Operation nicht ausreichend kontrolliert werden kann. Darüber hinaus wird die neoadjuvante Chemotherapie durchgeführt, um einen Tumor so zu verkleinern, dass anschließend eine brusterhaltende Operation möglich ist.
Wie läuft eine Chemotherapie ab?
Zytostatika werden meist als Infusion über eine Vene verabreicht. Sie verteilen sich über das Blut im ganzen Körper und können so etwaige gestreute Krebszellen in allen Organen "aufspüren" und zerstören. Eine Chemotherapie wird in der Regel in mehreren (meist vier bis sechs) Zyklen durchgeführt. Innerhalb eines Zyklus werden die Medikamente an einem oder mehreren Tagen hintereinander verabreicht. Anschließend erfolgt eine Behandlungspause, die unterschiedlich lange (Tage, Wochen oder Monate) anhalten kann. In der Pause sollen sich die gesunden Zellen von den Auswirkungen der Therapie erholen, wozu sie im Allgemeinen besser in der Lage sind als Krebszellen. Die Durchführung der Chemotherapie in Zyklen ermöglicht es außerdem, Tumorzellen in unterschiedlichen Phasen zu erfassen. So können beispielsweise Tumorzellen, die sich während des ersten Behandlungszyklus in einer Ruhephase befinden, oftmals in einem späteren Zyklus durch die Medikamente beeinflusst werden, wenn sie wieder teilungsaktiv sind.
Werden Zytostatika als Infusion verabreicht, ist ein Zugang über eine Vene nötig. Da die wiederholten Einstiche in die Armvenen oft als sehr unangenehm empfunden werden und die Zytostatika außerdem zu Reizungen der engen Armvenen führen können, ist das Anlegen eines sogenannten Port-Systems möglich. Hierbei wird unterhalb des Schlüsselbeins ein dauerhafter Zugang zum Gefäßsystem geschaffen. Ein Silikonschlauch führt über das Venensystem direkt in die großen Blutgefäße vor dem Herzen, wo die Medikamente aufgrund der größeren Blutmengen weniger Schaden anrichten können. Das Port-System schränkt die Patientinnen in ihrer Beweglichkeit nicht ein.
Um durch Infusionen hervorgerufene Beschwerden zu vermeiden, kann die Chemotherapie in einigen Fällen auch in Tablettenform erfolgen.
Welche Nebenwirkungen hat eine Chemotherapie?
Obwohl sich eine Chemotherapie in erster Linie gegen Krebszellen richtet, werden immer auch gesunde Körperzellen in Mitleidenschaft gezogen. Insbesondere Zellen, die sich natürlicherweise sehr schnell vermehren, sind gefährdet. Dazu gehören die blutbildenden Zellen des Knochenmarks, die Schleimhautzellen des Magen-Darmtraktes und die Haarwurzelzellen.
Häufige Nebenwirkungen der Chemotherapie sind:
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall, Appetitlosigkeit, Entzündungen der Mundschleimhaut, Schmerzen beim Schlucken
- Haarausfall
- Störungen der Blutbildung mit Blutarmut (Anämie)
- erhöhte Infektanfälligkeit (Immunschwäche)
- erhöhte Blutungsneigung
- Gefühlsstörungen an Händen und Füßen
- anhaltende Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue)
- vorübergehende Störungen geistiger Funktionen, z.B. Konzentrationsschwäche und Beeinträchtigung der Merkfähigkeit
- Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) durch Anthrazykline (v. a. Doxorubicin, seltener bei Epirubicin). Die Störung ist dosisabhängig, deshalb sollte eine festgelegte Gesamtdosis an Anthrazyklinen nicht überschritten werden. Besonders hoch ist die Gefahr der Herzmuskelschwäche bei Kombination von Anthrazyklinen und einer molekularbiologischen Therapie mit Trastuzumab; regelmäßige Herzuntersuchungen sind daher zu empfehlen.
Orale Chemotherapien haben den Vorteil, dass sie einfach einzunehmen sind und Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Haarausfall seltener auftreten.
Nebenwirkungen bekämpfen
Viele Nebenwirkungen einer Chemotherapie können heute durch begleitende therapeutische Maßnahmen (Supportivtherapie) wirksam verhindert oder gemildert werden. So werden Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (5-HT3-Antagonisten) oder zur Minderung von Gefühlsstörungen verabreicht. Eine drohende Immunschwäche mit erhöhter Infektanfälligkeit kann durch regelmäßige Blutkontrollen frühzeitig erkannt werden. In einem solchen Fall ist es möglich, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen gegen Infektionen zu treffen und Medikamente einzusetzen, die das Immunsystem stimulieren (z.B. Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor, G-CSF).
Die Neubildung roter Blutkörperchen kann durch die Gabe von Erythropoietin angeregt werden. Dadurch lässt sich Blutarmut (Anämie) beheben, die als eine der Ursachen für die bei Chemotherapie oft auftretenden Erschöpfungszustände (Fatigue) gilt. Um Haarausfall zu kaschieren, erhalten die Patientinnen ein Rezept für künstlichen Haarersatz. Dieser ist allerdings nur vorübergehend nötig, da die Haare in der Regel etwa sechs Wochen nach der letzten Chemotherapie wieder zu wachsen beginnen.
| Fachliche Beratung Prof. Beckmann, Universität-Frauenklinik Erlangen |
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