Im Rahmen einer Chemotherapie können die Medikamente (Zytostatika) eine Reihe von Nebenwirkungen mit sich bringen. Eine der häufig auftretenden, und zugleich sehr gefährlichen Begleiterscheinungen einer Chemotherapie ist die Schwächung der körpereigenen Abwehrkräfte. Dadurch steigt das Infektionsrisiko der Betroffenen und ihr Alltag wird teilweise stark eingeschränkt.
Als Ergänzung zu den Gesprächen mit dem behandelnden Arzt sollen die nachfolgenden Seiten zeigen, wie das körpereigene Abwehrsystem funktionier und warum Zytostatika diesen Schutz oftmals gefährden.
Unser Körper muß sich ständig mit Krankheitserregern (Bakterien, Pilze, Viren) auseinander setzen. Sie sind überall um uns herum anzutreffen: in der Luft, die wir einatmen, auf Gegenständen und auf unserer Haut. Durch die natürlichen Körperöffnungen oder bei Verletzungen der Haut können sie in den Körper gelangen. Einige Keime sind auch natürlicherweise in einer begrenzten Anzahl ständig in unserem Körper vorhanden. Solange sie sich nicht unkontrolliert vermehren, richten sie keinen Schaden an.
Unser Körper ist Krankheitserregern nicht hilflos ausgeliefert, sondern besitzt normalerweise ein sehr gut funktionierendes Abwehrsystem. Die wichtigste Abwehrtruppe gegen Erreger stellen die weißen Blutkörperchen dar. In der Fachsprache werden sie als Leukozyten bezeichnet.
Eine Untergruppe der Leukozyten sind die neutrophilen Granulotzyen. Ihnen fallen bei der Abwehr von Bakterien, aber auch von Pilzen und Viren die bedeutendsten Aufgaben zu.
Die neutrophilen Granulozyten sind ständig im Blut, aber auch in den Schleimhäuten und in den Geweben der verschiedenen Organe als Streifenpolizei unterwegs. Dringen Erreger in den Körper ein, werden die neutrophilen Granulozyten über chemische Signale wie über einen Notruf zum Ort des Geschehens gerufen. Sie fressen die Eindringlinge auf und verdauen sie, noch bevor diese eine Infektionskrankheit auslösen können. Jede dieser "Fresszellen" kann allerdings nur einmal zum Einsatz kommen und muss danach durch eine neue Zelle ersetzt werden.
Da die weißen Blutzellen auch unter Normalbedingungen nur eine kurze Lebensdauer haben, müssen neutrophile Granulozyten ständig neu gebildet werden.
Ihre Neubildung erfolgt im Knochenmark. Pro Minute entstehen ca. 100 Millionen neue Zellen. Von dort aus wandern sie ins Blut und in die Organgewebe. Kommt es bei einem gesunden Menschen zu einem akuten Befall mit Bakterien, Pilzen oder Viren (Infektion), reagiert der Körper mit einer gesteigerten Bildung an neutrophilen Granulozyten. Das Knochenmark ist normalerweise in der Lage, seine Produktion an neutrophilen Granulozyten sofort zu erhöhen und diese zum Einsatz gegen die eindringenden Infektionserreger zu schicken.
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